15 Jahre pro publico bono

Am Sonnabend feierte die Europäische Akademie in Külz ihr 15-jähriges Bestehen. Das ist
ein wichtiger Ort der polnisch-deutschen Annäherung. Ihren Sitz hat die Akademie in einem
früheren Gutshaus der Familie von Bismarck. Hier findet eine Vielzahl von Begegnungen und
Diskussionen zwischen Polen und Deutschen verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft
und verschiedener Berufe statt.
Zu Beginn der 1990er Jahre beschloss der hochbetagte, achtzigjährige Philipp von Bismarck, das heruntergekommene Gutshaus, das nach dem Krieg zu einem Staatsgut gehörte, für die deutsch-polnische Aussöhnung zu nutzen. Er gründete die Stiftung „Fundatia Europea Pomerania“, welche die Immobilie pachtete. Der Wiederaufbau wurde von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau sowie der Bundesregierung finanziert und von der Firma KielArt ausgeführt, die dem aus Nawodna bei Chojna stammenden Janusz Kielar gehört. In ihrem Bericht über die Eröffnung im Jahr 1995 schrieb die „Gazeta Chojeńska“: „Was am 23. September in Külz geschah, reicht in seiner Bedeutung zweifellos nicht nur über die Woiwodschaft, sondern über das ganze Land hinaus. Für viele Beobachter ist die Eröffnung der deutsch-polnischen Tagungsstätte durch Philipp von Bismarck in dem früheren Besitz seiner Familie ein Symbol für die Veränderungen in der Mitte Europas.“ Und so war es, zumal zu der Eröffnung Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Erzbischof Marian Pryzkucki, der Botschafter Frankreichs, Henri Froment-Meurice, und Innenminister Andrzej Milczanowski anreisten. Die damals eröffnete Tagungsstätte wandelte sich zur Europäischen Akademie; sie wird bis heute von der Slawistin Lisaweta von Zitzewitz geleitet. Herr von Bismarck starb im Jahr 2006, und das Gutshaus wurde – gemäß seinem Willen – der Stettiner Universität übertragen, da die Akademie nicht in der Lage war, ein derart großes Objekt zu unterhalten. Gegenwärtig wird das Haus von beiden Institutionen genutzt. Das geht nicht ohne Konflikte ab.
Zum 15-jährigen Jubiläum am Sonnabend kamen unter anderem der Stettin-Kamminer
Erzbischof Andrzej Dzięga und Pfarrer Justus Werdin aus Greiffenberg bei Angermünde (die
gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst zelebrierten), ferner der Generalkonsul der
Bundesrepublik Deutschland, Joachim Bleicker, der Vorsitzende der Stiftung Europäische
Akademie Külz-Kulice, Ekkehard von Holtzendorff, Mitglieder der Familie von Bismarck,
Professor Jan M. Piskorski (nur er repräsentierte die Stettiner Universität) und der
Bürgermeister von Naugard, Kazimierz Ziemba. Marzenna Guz-Vetter von der Europäischen
Kommission in Berlin sagte, dass ihr ein Vortrag zum fünften oder zehnten Jahrestag leichter
gefallen wäre, denn damals sei alles einfacher gewesen, weil das übergeordnete Ziel die
Erweiterung der Europäischen Union nach Osten gewesen sei.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 28.09.2010