Polemik: Die Universität will Külz verkaufen - Noch einmal über die Europäische Akademie

Mit wachsender Sorge verfolge ich die Diskussion über die Stiftung Europäische Akademie Külz-Kulice in Kulice/Külz, die in letzter Zeit im „Kurier“ ausgetragen wird. Diese wichtige – und manchen Stimmen zum Trotz – verdienstvolle Institution könnte es schon bald nicht mehr geben, denn die Stettiner Universität plant den Verkauf des Külzer Gutshauses, das eine der Residenzen der Familie von Bismarck war und gegenwärtig Sitz der Stiftung ist.
Von beiden Seiten mehren sich die Vorwürfe, und unlängst kündigte die Universität als Eigentümerin des Gutshauses der Stiftung ihre bisherigen Räumlichkeiten. Über die Stiftung äußerten sich bislang Redakteur Bogdan Twardochleb, Professor Edward Włodarczyk, der Rektor der Stettiner Universität, und Lisaweta von Zitzewitz, die Vorsitzende des Vorstands der Stiftung „Europäische Akademie Külz-Kulice“.
Unter den im Lauf der Diskussion vorgebrachten Ansichten findet sich die Behauptung, der Stiftung fehle es an Erfolgen „bei der Organisation von Tagungen oder Symposien auf der die Wissenschaften popularisierenden Ebene“. In diesem Zusammenhang möchte ich die Leser über eine der jüngsten Initiativen der Europäischen Akademie bzw. genauer der Vorstandsvorsitzenden, Frau Lisaweta von Zitzewitz, informieren. Dank ihrer Bemühungen werden schon in Kürze zweisprachige, deutsch-polnische, monographische Hefte erscheinen, die sechs pommerschen Herrenhäusern und Schlössern gewidmet sind – und zwar denen in Kulice/Külz, Starogard Łobeski/Stargordt, Pęzino/Pansin, Rybokarty/Ribbekardt, Maciejewo/Matzdorf und Przelewice/Prillwitz. Autoren der einzelnen Publikationen sind Stettiner Kunsthistoriker sowie Frau von Zitzewitz selbst und ein Gast aus Deutschland, Herr Wulf-Dietrich von Borcke.
Alle Beteiligten trafen sich zunächst in Kulice zu einem Kolloquium, das die Akademie Külz-Kulice vom 23. – 25. September 2011 organisierte. Es kam ebenfalls Frau Sibylle Badstübner-Gröger aus Berlin, eine bekannte deutsche Kunsthistorikerin, die viele Arbeiten insbesondere zur Architektur des 19. Jahrhunderts veröffentlicht hat. Sie initiierte auch eine ähnliche Publikationsreihe, die bei unseren westlichen Nachbarn von dem Freundeskreis Schlösser und Gärten herausgegeben wird. In den östlichen Bundesländern erschienen bereits mehrere dieser Publikationsreihen. Erarbeitet wurden Hefte mit dem charakteristischen quadratischen Format und einem einheitlichen Layout für Residenzen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sowie unlängst – in Zusammenarbeit mit der polnischen Seite – für die Neumark, also das Gebiet der heutigen Wojewodschaft Lebus und den südlichen Teil der Wojewodschaft Westpommern. Jede dieser Veröffentlichungen enthält eine kurz gefasste Geschichte der in dem jeweiligen Ort ansässigen Familie, ferner die Geschichte und eine Beschreibung der Residenz und ihrer Umgebung – des Parks, des Wirtschaftshofs, häufig auch der Kirche, die früher dem Patronat einer Adelsfamilie unterstand. Jedes dieser Büchlein illustrieren Archivabbildungen, Fotos und eine Reihe von Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die mehrheitlich von dem deutschen Fotografen Volkmar Billeb stammen.
Das erwähnte Kolloquium begann mit einem abendlichen Beisammensein der Teilnehmer in dem stilvollen Ambiente des Schlosses. Die angenehme, von der Gastgeberin, Frau Lisaweta, geschaffene Atmosphäre trug dazu bei, neue Bekanntschaften zu schließen und Informationen auszutauschen. Der folgende Tag war Vorträgen gewidmet. Im ersten Beitrag stellte Frau Badstübner-Gröger die Tätigkeit des Freundeskreises Schlösser und Gärten sowie die Konzeption der Verlagsreihe vor, anschließend präsentierten die Autoren die einzelnen Objekte. Am dritten Tag fand eine Exkursion zu den Residenzen in Matzdorf und Pansin statt. Ergebnis dieses Projekts sind sechs Monographien über Gutsanlagen. Für dieses Frühjahr ist die Vorstellung der ersten beiden Hefte geplant.
Und noch eines: Nicht alle Veranstaltungen im Külzer Gutshaus begleitet ein Medienrummel, der meist eher der Anwesenheit prominenter Politiker und verschiedener „Berühmtheiten“ geschuldet ist als dem tatsächlichen wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Rang der Veranstaltung. Ich denke, dass solche, scheinbar wenig spektakulären Unternehmungen wie unser Kolloquium über den Sinn der Existenz derartiger Einrichtungen wie Külz entscheiden können. Deshalb mein Appell: Liebe Herrschaften! Schüttet nicht „das Kind mit dem Bade“ aus. Sucht noch einmal nach einer Verständigung. Wenn es an Geld für den Unterhalt der Külzer Tagungsstätte fehlt, gelingt es vielleicht, die Mittel von anderswoher als bislang zu erhalten. Sicherlich muss man die bisherige Organisationsform ändern, neue Sponsoren und Mitarbeiter suchen. Der Verkauf des Gutshauses und das Ende der Stiftungstätigkeit bringen nämlich niemandem Vorteile. Das verursacht vielmehr Verluste und zwar solche, die schwer wieder wettzumachen sind, denn sie werden einen Fleck auf dem Bild von der Hochschule und der Region hinterlassen.

Maciej Słomiński (Kunsthistoriker, Vorsitzender des Vereins für den Erhalt des Zentralfriedhofs in Szczecin/Stettin, Autor des monografischen Bildbandes „Der Zentralfriedhof in Stettin“ sowie vieler Abhandlungen über die Kunstgeschichte und den Denkmalschutz in Westpommern)

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Fügen wir hinzu, dass die Akademie Külz-Kulice seit ihrer Gründung im Jahr 1995 systematisch deutsch-polnische Seminare zum Denkmalschutz in Westpommern organisiert. Die Hefte über die Schlösser, die sich auf dem Gebiet Polens befinden, werden unter der Oberleitung des Arbeitskreises Deutscher und Polnischer Kunsthistoriker und Denkmalschützer herausgegeben. Initiatoren waren Frau Sibylle Badstübner-Gröger und Prof. Andrzej Tomaszewski, der im Jahr 2010 verstorbene, herausragende Kunst- und Architekturhistoriker, Generalkonservator 1995-99) und Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Stiftung Denkmalschutz. Über die Neumark erschienen insgesamt zehn Hefte. Sie sind alle zweisprachig und beschreiben die Schlösser in Sosny/Charlottenhof, Dolsk/Dölzig, Glisno/Gleissen, Krzymów/Hanseberg, Kostrzyn/Küstrin, Łagów/Lagow, Mierzęcin/Mehrenthin, Brody/Pförten, Dabroszyn/Tamsel und Swobnica/Wildenbruch. Zu den Autoren gehören auch Kunsthistoriker aus Stettin.
(Redaktion)

Ü:Zzz

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Veröffentlichung/ data publikacji: 23.01.2013