Polemik: Die Universität will Külz verkaufen - Wird jemand dieses Schlösschen kaufen?

In vier Mittwochsausgaben des „Kurier Szczeciński“ haben wir Artikel über das Schlösschen in Kulice/Külz bei Nowogard/Naugard abgedruckt. Bis 1945 gehörte es der Familie von Bismarck, heute der Stettiner Universität. Nach dem Krieg war das Gebäude Eigentum eines Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs, dann verfiel es; nach 1990 wurde es auf Initiative Philipp von Bismarcks wieder aufgebaut und im Jahr 2002 der Universität für den symbolischen Złoty übereignet.
Die Agentur für das landwirtschaftliche Eigentum des Staates, in deren Verfügungsgewalt sich das Schloss befand, bedingte sich durch eine Klausel aus, dass die Hochschule das Gebäude über zehn Jahr nicht verkaufen dürfe. Diese Frist ist abgelaufen, und der Senat der Stettiner Universität fasste den Beschluss, das Haus zu verkaufen. Die Hochschulverwaltung ist der Ansicht, dass sie der Unterhalt von Külz zu teuer komme. Sie begründet es auch mit dem geringen Nutzen des Schlösschens; davon soll die Tatsache zeugen, dass dort hauptsächlich Hochzeiten organisiert würden, wie der Rektor der Hochschule, Prof. Edward Włodarczyk, im „Kurier“ schrieb.
Eigentümerin des Schlösschens ist die Universität, in ihm aber hat die Stiftung „Europäische Akademie Külz-Kulice“ ihren Sitz; durch ihre Tätigkeit verwirklicht sie die Idee, die dem Stifter Philipp von Bismarck (1913-2006) vorschwebte – einem herausragenden CDU-Politiker, Abgeordneten des Bundestags und des Europäischen Parlaments, der zugleich Funktionär der Pommerschen Landsmannschaft war und sich bereits seit den 1950er Jahren für die Normalisierung der Beziehungen zu Polen aussprach. Philipp von Bismarck unterstützte die Ostpolitik des sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt, darunter auch auch die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Das Schlösschen in Külz baute er wieder auf, weil es sein Zuhause war, weil seine Mutter im dortigen Park beigesetzt wurde und er so viel wie möglich für die deutsch-polnische Aussöhnung tun wollte, die er als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Frieden in Europa ansah. Das Schlösschen, dass im Jahr 1995 in Anwesenheit herausragender polnischer, deutscher und französischer Politiker sowie katholischer und protestantischer Geistlicher feierlich eröffnet wurde, sollte eben dieser Idee dienen – als Ort für Begegnungen, Tagungen und die Herausbildung zivilgesellschaftlicher Haltungen. So war es bis zum Jahr 2002, bis zu dem dort ausschließlich die Europäische Akademie Külz-Kulice tätig war, und so wird der Ort heute dank der Arbeit der Akademie wahrgenommen.
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Von den Problemen, die nach dem Jahr 2002 in Külz auftraten, von den Missverständnissen zwischen der Universitätsverwaltung und der Stiftung Europäische Akademie Külz-Kulice, aber auch von der Tätigkeit der Akademie berichteten die Autoren, deren Artikel wir im „Kurier“ abdruckten. Wir rechneten damit, dass diese Veröffentlichungen die Parteien zur Klärung der Probleme veranlassen würden, mehr noch – dass der Senat der Stettiner Universität den Beschluss zurücknehmen werde. Nichts dergleichen ist geschehen.
In den letzten Jahren hat die Stettiner Universität Külz bewirtschaftet, aber nicht viel getan. Tagungen und Begegnungen wurden dort von der Akademie Külz-Kulice organisiert. Das dokumentieren u.a. neun Bände der Reihe „Zeszyty Kulickie/ Külzer Hefte“ – nicht komplett, denn nicht alle Begegnungen und Debatten werden berücksichtigt. Dank der Akademie wird Külz jedoch auf beiden Seiten der Grenze als wichtiger Ort für Gespräche über deutsch-polnische Belange wahrgenommen, als Beispiel für den Erhalt des kulturellen Erbes und seiner gelungenen Anpassung an zeitgenössische Bedürfnisse. Külz wird neben Krokowa/Krockow und Krzyżowa/Kreisau als wichtiger Ort in der Nähe von Szczecin/Stettin auf der Landkarte Westpommerns genannt.
Würde die Universität, die über ein unvergleichlich größeres Potential verfügt als die Akademie, die de facto von einer Person, Frau Lisaweta von Zitzewitz, gemanagt wird, in Külz ebenso viele internationale Tagungen wie sie organisieren, würde sie dafür Fördermittel einwerben wollen, wie die Akademie es tut, dann sähe die Situation von Külz anders aus.
Es ist bedauerlich zu sagen, aber die Stettiner Universität bedeutet in der breit verstandenen, gesellschaftlichen Debatte über deutsch-polnische Angelegenheiten und die Grenzregion nicht viel, auch wenn einzelne ihrer Mitarbeiter in dieser Hinsicht bedeutende und sehr ernstzunehmende Leistungen vorzuweisen haben. Durch den Verkauf von Külz wird die Hochschule ein Zeichen dafür setzen, dass sie nicht mehr Bedeutung haben möchte. Zentraler Ort für eine solche Debatte und Forschungen zur Grenzregion wird die Universität Poznań/Posen werden, insbesondere nach den Entscheidungen, die dort unlängst getroffen wurden.
Im Jahr 2000 erschien im West-Institut [Instytut Zachodni] unter der Redaktion von Prof. Zbigniew Mazur der Band „Gemeinsames Erbe. Studien zum Verhältnis gegenüber der kulturellen Hinterlassenschaft in den West- und Nordgebieten“ [Wspólne dziedzictwo. Ze studiów nad stosunkiem do spuścizny kulturowej na Ziemiach Zachodnich i Północnych]. Darin gibt es einen ausführlichen Artikel über Külz mit dem Titel „Unser Külz” [Nasze Kulice]. (Der Titel ist ein Zitat aus einer Homilie von Erzbischof Marian Przykucki, des ersten Metropoliten der Diözese Szczecin-Kamień/Stettin-Kammin, der nicht nur einmal in Külz war.) Man muss hoffen, dass die Entscheidung der Universität nicht solche Folgen zeigt, dass der Titel des Artikels ironische Bedeutung gewinnt.
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Verstrichen ist die zehnjährige Karenzfrist, in der die Hochschule Külz nicht verkaufen durfte, obwohl sie das Objekt hätte zurückgeben können. Sie gab es nicht zurück, sondern sie verkauft es. Wie auch immer die Verwaltung diese Entscheidung erklären wird, kann sie doch den Eindruck nicht vermeiden, dass die Universität Külz einst übernahm, um es sobald wie möglich zu verkaufen.
Vor einiger Zeit befahl der Rektor der Stettiner Universität der Akademie Külz-Kulice, das Schlösschen bis Ende Januar zu verlassen. Auf Bitten von Lisaweta von Zitzewitz verlängerte er diesen Termin bis zum 22. Februar. Lisaweta von Zitzewitz möchte die Tätigkeit der Akademie außerhalb von Külz fortführen und wenigstens jene Tagungen organisieren, die sie schon vor langer Zeit für dieses Jahr plante, als sie noch nicht wissen konnte, was für Entscheidungen die Universität hinsichtlich des Schlösschens treffen würde. Seit langem bereiten auch die zu diesen Tagungen eingeladenen Wissenschaftler ihre Referate vor. Wo werden sie sie halten? Die Akademie Külz-Kulice sucht nach einem Ort.
Das Schlösschen in Külz zu verkaufen, wird nicht leicht sein. Möge es nicht das Schicksal manch eines anderen Schlosses teilen, das aufgegeben wurde, obwohl es unter Aufsicht gestellt werden sollte. Man hätte annehmen können, dass sich irgendwelche Behörden, etwa von der Wojewodschaft, für dieses Schicksal interessieren, denn der Verkauf von Külz stellt nicht nur der Universität kein gutes Zeugnis aus.

In der vergangenen Woche kam die deutsche, in Warschau lebende Journalistin Gabriele Lesser, die auf Osteuropa-Fragen spezialisiert ist und in Polen u.a. aus Programmen im Polnischen Fernsehen bekannt ist, wegen der Külzer Sache nach Stettin. Der Rektor der Stettiner Universität, Prof. Edward Włodarczyk, fand keine Zeit, um sich mit ihr zu treffen.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 30.01.2013