Senat der Stettiner Universität: Wir werden den Verkauf des Gutshauses in Kulice/Külz überdenken, aber das gefällt uns nicht

Mit der Frage des Verkaufs des Gutshauses in Kulice/Külz wird sich eine Außerordentliche Kommission des Senats der Stettiner Universität befassen. Das ist die Antwort auf den Appell der Parlamentarier der Platforma Obywatelska (Bürgerplattform), dass die Hochschule nicht das „Symbol der deutsch-polnischen Aussöhnung“ bzw. das Gutshaus der Bismarcks verkaufen möge, das sie vor zehn Jahren umsonst erhielt.

Der Universität gefällt die Einmischung der Politiker allerdings nicht. Seine Magnifizenz, Rektor Prof. Edward Włodarczyk, gab am Mittwoch nach der Senatssitzung eine Erklärung heraus, in der es heißt:

Angesichts der Tatsache, dass der offene Brief der PO-Abgeordneten eine neue und in der Praxis noch nicht dagewesene Form des Dialogs der Vertreter der gesetzgebenden Gewalt mit den Universitäten ist, die eine traditionelle und gesetzlich geregelte Autonomie genießen, berufen die Rektoren und der Senat der Stettiner Universität eine außergewöhnliche Senatskommission ein. Die Kommission wird sowohl den Inhalt als auch die Form des offenen Briefes eingehend erörtern und eine Antwort darauf vorbereiten.

Inhalt und Form der Erklärung machen deutlich, dass die Verwaltung der Stettiner Universität ihre Pläne bezüglich des Gutes in Külz ungern ändern möchte. Erinnern wir daran, dass die Stettiner Hochschule die dortige Schloss- und Parkanlage der Familie von Bismarck im Jahr 2002 von der Agentur für das landwirtschaftliche Eigentum des Staates erhielt. An die Schenkung knüpfte sich die Bedingung, in dem Gebäude mindestens zehn Jahre lang eine erzieherische und wissenschaftliche Tätigkeit auszuüben sowie die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland weiterzuentwickeln.

Die Stettiner Universität musste sich das Objekt mit der Europäischen Akademie Külz-Kulice „teilen“. Das verfallene Külzer Gutshaus war nämlich in den 1990er Jahren mit Geldern der von Philipp von Bismarck gegründeten Fundatia Europea Pomerania restauriert worden. Seit 1995 wurden dort internationale Begegnungen organisiert. Zunächst unter der Ägide der Fundatia Europea Pomerania, später von der Europäischen Akademie.

Die Zusammenarbeit mit der Universität klappte nicht gut. Am 15. Oktober 2012 forderte der Kanzler der Stettiner Universität die Europäische Akademie auf, Külz zu verlassen und schrieb das Schloss der Bismarcks zum Verkauf aus. Mindestpreis: 5,083 Millionen Złoty.

Die Pressesprecherin der Stettiner Universität erklärte, dass dies von ökonomischen Gesichtspunkten diktiert sei. Die Unterhaltung des Gutshauses koste zwei- bis dreihunderttausend Złoty jährlich. Die Universität habe errechnet, dass sie für Külz insgesamt bereits 2,5 Millionen Złoty aufgewendet habe.

In dieser Situation erklärte der Marschall der Wojewodschaft seine Bereitschaft, das Objekt zu übernehmen. Er bot auch Beratung bei der Bewirtschaftung von Külz an. Parlamentarier der Bürgerplattform boten ebenfalls Hilfestellung an.

„Külz ist ein Symbol der Aussöhnung geworden, nach dem Verkauf aber wird es sich in ein Haus für Hochzeitsfeiern oder in eine Pension verwandeln“, kommentierte Norbert Obrycki, Senator der Bürgerplattform. „Die paar, durch den Verkauf erzielten Millionen Złoty werden im Hochschulbudget gar nicht spürbar sein“, betonte er.

Wie empfand er die Erklärung Seiner Magnifizenz, des Rektors?

„Ich rechne damit, dass die Hochschulverwaltung unseren Appell als Ausdruck der Sorge und nicht als Kritik versteht“, sagt Obrycki diplomatisch. „Wir respektieren die Autonomie der Universität, aber sie ist schließlich keine ‚einsame Insel‘. Sie trägt in ihrem Namen das Wort ‚Stettin‘, als Stettiner und Steuerzahler haben wir daher das Recht, uns zu äußern und als Parlamentarier sogar die Pflicht. Mir liegt daran, dass sich die Universität entwickelt und ein gutes Bild abgibt.“

Obrycki betont, dass die Stettiner Universität eine staatliche Hochschule ist. Und dass die Entscheidung über den Verkauf von Külz einen „Riss“ nicht nur im Bild der Universität, sondern auch der Stadt, der Region und Polens darstellen werde. Die deutschen Medien würden bereits ausführlich über die Angelegenheit schreiben.

Der Senator der Bürgerplattform weist auch darauf hin, dass das Grenzüberschreitende ein Trumpf der Stettiner Universität sein sollte.

„Das könnte eine ‚Universität der Grenzregion‘ sein. Bestimmte Fachrichtungen und Spezialisierungen kann man gerade in der Grenzregion entwickeln“, sagt Obrycki. „Darüber sprach ich sogar mit dem Herrn Rektor, als er gerade sein Amt übernommen hatte. Seine Vision von der Hochschule war sehr interessant.“

Inoffiziellen Quellen zufolge könnte es bereits in der nächsten Woche zu einem Treffen von Prof. Włodarczyk mit einer Delegation der Parlamentarier und dem Marschall der Wojewodschaft kommen.

Ü:Zzz

Vollständiger Text/ cały tekst: http://szczecin.gazeta.pl/szczecin/1,34959,13640297,Senat_US...
Veröffentlichung/ data publikacji: 28.03.2013