Der Fall Külz - Ein offener Brief an Lisaweta von Zitzewitz

Sehr geehrte Frau von Zitzewitz,

ich schäme mich. Ich schäme mich nicht als Pole, weil ich in Polen geboren wurde. Ich schäme mich als Pole, der in Polen lebt und der sowohl die polnische als auch die deutsche Geschichte studiert hat. Der Fall Külz und viele noch andere zeigen wieviel wir noch erreichen müssen, um den Deutschen gleich zu werden. Wirtschaftlich auch.

Der Fall Külz ist nicht nur eine Frage des Stils, ganz abgesehen vom Geld und von juristischen Fragen. Das ist eine Frage der heutigen und zukünftigen deutsch-polnischen Verständigung, um die Sie sich sehr bemühen. Wir, als Polen, bemühen uns nicht. Wir möchten, wir fordern, wir nehmen aber geben nicht. Uns wurde gegeben. Hinterpommern. Auch Niederschlesien. Sechs hundert Burgen, Herrenhäuser und Schlösser in Niederschlesien, die den Deutschen gehörten, stehen ruiniert. Eine gute Visitenkarte. Aber wem werden wir diese Karte zeigen, den Deutschen? Wer will noch zu uns kommen um so behandelt zu werden?

Wir sollten uns an zwei große polnischen Brüder von Raczynski erinnern, Edward und Atanazy. Atanazy Raczynski ein Abgeordneter des preussischen Parlaments, ein berühmter europäischer Kunstmäzer und preussischer Diplomat. Sein Bruder, Edward Raczynski, der in Polen als ein Verräter betrachtet wurde, weil er zu viel an die Deutschen glaubte. Diese Zeit ist schon vorbei aber unsere Einstellung den Deutschen gegenüber blieb.

Ich schäme mich aber ich hoffe. Ich hoffe sehr stark, daß es in Deutschland viele Leute gibt, die daran glauben, daß es in Polen eine Schicht, dünne Schicht, von Leuten gibt, die geben wollen. Die Mehrheit von uns versteht das leider noch nicht. Noch. Ich glaube an jüngere Generationen und ich hoffe, daß der Fall Külz, einer der letzten war. Entschuldigen Sie uns bitte, dieser dünnen Schicht des polnischen Volkes.

Dr. Roman Ziembinski
Poznan

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Veröffentlichung/ data publikacji: 26.04.2013