Kinder zeichnen für deutsche Panzer

Polnische Kleinstadt kämpft um Stationierung von „Leos“ aus Bundeswehrbeständen.
Dass Polen einmal bundesdeutsche Panzer für seine Streitkräfte erwerben würde, wäre noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen. Doch damit nicht genug: Im Nachbarland ist sogar ein Wettbewerb um die Stationierung entstanden.
„Heute sind Polen und Deutschland die engsten Freunde.“ Das verkündete Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am Freitag im polnischen Posen. Gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen Tomasz Siemoniak hatte er da gerade einen Vertrag unterzeichnet, laut dem das Nachbarland in den kommenden zwei Jahren von Deutschland 119 gebrauchte Panzer vom Typ „Leopard“ übernimmt. Die schwere Technik, die laut unbestätigten Meldungen für rund 180 Millionen Euro den Besitzer wechselt – über die genaue Summe halten sich beide Seite bedeckt –, solle „zur technischen Modernisierung der polnischen Streitkräfte beitragen“, sagte Siemoniak.
Was die deutschen Verkäufer allerdings kaum ahnen ist, dass in Polen seit Wochen zwei kleine Garnisonsstädte um die Stationierung der Panzer streiten. Neben dem Ort Wesola in der Nähe von Warschau ist auch die rund 50 Kilometer östlich von Forst gelegene Kleinstadt Zagan im Rennen. Dort macht man sich Sorgen um die Zukunft der 34. Brigade der polnischen Panzer-Kavallerie, mit der das Schicksal von Hunderten Soldaten samt Familien verknüpft ist. Denn in Polen sollen – ähnlich wie in Deutschland – zahlreiche Militärstandorte in den kommenden Jahren geschlossen werden.
„Alles in allem geht es um rund 1200 Arbeitsplätze“ rechnet Bürgermeister Daniel Marchewka vor. Würde die deutsche Technik tatsächlich in der 26 000 Einwohner zählenden Stadt stationiert, dann bräuchte man dort auch Ingenieure für deren Unterhaltung und Pflege. Hoffnungen macht man sich vor allem deshalb, weil in dem nur etwa 20 Kilometer entfernt gelegenen Ort Swietoszow – dem Standort der 10. polnischen Panzerbrigade – bereits 128 Leopard-Panzer im Einsatz sind. Die hatte Polen schon vor elf Jahren von der Bundeswehr übernommen.
Um die Ansprüche zu bekräftigen, wurde kürzlich ein Zeichenwettbewerb in den örtlichen Schulen gestartet. Unter dem Motto „Leopardy dla Zagania“ (Leoparden für Zagan) malten Hunderte Kinder ihre Bilder. Diese sollen an den Verteidigungsminsiter in Warschau gesendet werden. Am Wochenende wurden zudem noch Unterschriften gesammelt.
„Wir haben bereits mehr als 300 Zeichnungen und Tausende Unterschriften“, berichtet Tomasz Kwarcinski. Er war auf die Idee für die Zeichnungen gekommen. Der 29-jährige ist stellvertretender Vorsitzender des Zaganer Stadtrats und Chef der Fraktion „Zaganer Bewegung“. „Am Anfang hatte ich etwas Bedenken, dass sich einige Leute darüber aufregen würden, wie wir hier um deutsche Panzer kämpfen. Aber eigentlich hat sich niemand beschwert“, erzählt er. Ganz im Gegenteil sind im Internet zahlreiche positive Kommentare über die „gute deutsche Technik“ zu lesen. Spaßvögel schreiben freilich auch Sprüche wie: „Deutsche kommt nach Polen, eure Panzer sind schon dort“, oder auch, dass die berühmte Fernsehserie über den Zweiten Weltkrieg „Vier Panzersoldaten und ein Hund“ jetzt noch einmal neu mit einem Leoparden gedreht werden müsse.
Historiker könnten zwar auch darauf verweisen, dass auf den Truppenübungsplätzen in der Nähe von Zagan sich deutsche Soldaten im Sommer 1939 auf den Überfall auf Polen vorbereitet haben. Doch die wenigen Leute, die sich daran noch erinnern können, sind hochbetagt. Erst im Oktober war ein Großteil der Zaganer Panzerbrigade zum wiederholten Mal im Rahen des internationalen Einsatzes nach Afghanistan aufgebrochen. Und häufig sind in den niederschlesischen Garnisonen auch Soldaten aus anderen Nato-Ländern zu Schießübungen zu Gast.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 25.11.2013