Knut Krohn

Der lange Weg nach Westen

Seit dem 21. Dezember vergangenen Jahres gehören Polen und Tschechien zum Schengen-Raum. Den Wegfall der stationären Personenkontrollen haben seitdem offenbar viele Tschetschenen und Vietnamesen genutzt , um illegal nach Deutschland zu gelangen. Das geht zumindest aus Zahlen hervor, die die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unter Berufung auf die Bundespolizei nennt.

Veröffenlichung/ data publikacji: 12.01.2008

Nicht länger den USA ergeben

Polens früherer Premier Jaroslaw Kaczynski war immer besonders stolz auf die guten Beziehungen zu den USA. Warschau folgte Washington in den Krieg im Irak - und für Kaczynski stand es außer Frage, dass das geplante US-Raketenabwehrsystem auf polnischem Boden installiert werden würde. Donald Tusk, sein Nachfolger, will dieser Ergebenheit gegenüber der Supermacht ein Ende setzen. Also verkündete der Premier gestern, dass die polnischen Soldaten im September aus dem Irak abgezogen würden. Zudem werde man die Verhandlungen über den umstrittenen Raketenschirm neu aufnehmen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.01.2008

Scharfmacher verlieren an Boden

Für Mariusz Muszynski kam der Absturz in die Bedeutungslosigkeit keineswegs überraschend. Der Abgang des ehemaligen Deutschlandberaters der polnischen Regierung sollte allerdings von einem Paukenschlag begleitet sein. Also meldete er sich an Weihnachten zu Wort, in dem er wieder einmal die Hinterhältigkeit der Berliner Politiker geißelte. Der Vorschlag von Kanzlerin Angela Merkel, Polen an der Mitgestaltung des "Sichtbaren Zeichens gegen Vertreibung" zu beteiligen sei eine Falle, schrieb er in der konservativen Zeitung Wprost.

Veröffenlichung/ data publikacji: 04.01.2008

Polen trotzt dem Teufel

Es war ruhig geworden in Polen. Keine Nachrichten mehr von populistischen Politikern, die mit rot-weißen Nationalfahnen im ehemaligen Ostpreußen polnische Erde besetzten, um sie vor der Invasion deutscher Vertriebenentruppen zu schützen. Keine skurrilen Meldungen mehr von übereifrigen Regierungsleuten, die zur Hatz auf angeblich homosexuelle Teletubbies blasen, oder die argwöhnen, die Deutschen würden getreu alter Traditionen Warschau demütigen wollen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 20.12.2007

Die polnische Charmeoffensive

Ist der Frühling angebrochen, sind die Schrecken des kalten Winters schnell vergessen. So scheint es im Moment auch um die deutsch-polnischen Beziehungen bestellt zu sein. Kaum einer mag sich mehr an die Kaczynski-Eiszeit erinnern, die zwei Jahre zwischen den Nachbarn herrschte. Mit dem Antritt von Donald Tusk scheint der Klimawandel über Nacht eingetreten zu sein.

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.12.2007

Vattenfall will polnische und deutsche Töchter unter der Führung eines Finnen verbinden

Die Einwohner von Warschau sind auf Vattenfall überaus gut zu sprechen. Manche Nase erinnert sich noch zu genau an die zweifelhafte Qualität der Luft, bevor der schwedische Energieriese das Heizkraftwerk am Stadtrand übernahm, das die Millionenmetropole mit Wärme versorgt. Um 40 Prozent ist die Schadstoffbelastung gesunken, seit Vattenfall Geld in die Modernisierung des Werkes steckt. Zudem tut der Konzern vieles mehr, um in Warschau positiv in Erinnerung zu bleiben. So sponsert er zu Weihnachten die festliche Beleuchtung über der schicken Flaniermeile Nowy Swiat in der Stadtmitte.

Veröffenlichung/ data publikacji: 28.11.2007

Anderer Ton, gleiche Ziele. Polens neuer Premier will in der EU künftig konstruktiv mitarbeiten

Politik lebt von Symbolen. Also verkündete Jacek Saryusz-Wolski: „Polen wird als einer der ersten Staaten den EU-Reformvertrag ratifizieren.“ Damit wollte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlaments am Montag in Brüssel zeigen, dass sein Land einen neuen Europakurs fahren will. Vergessen sein sollen die Zeiten, als der ehemalige Premier Jaroslaw Kaczynski den Rest des Kontinents mit seinen Vetodrohungen an den Rand der Verzweiflung brachte.

Veröffenlichung/ data publikacji: 21.11.2007

Bus statt Limousine. Polens neue Regierung gibt sich bescheiden – und will zuerst das Verhältnis zu den Nachbarn verbessern.

Der Tag für die zukünftige Regierung Polens begann früh. Pünktlich um neun Uhr traf sich der neue Premier Donald Tusk mit seinen 17 Ministern bei empfindlichen Minustemperaturen zur Heiligen Messe. Nachdem sie sich den göttlichen Segen erbeten hatten, ging es gar nicht standesgemäß mit dem Bus in Richtung Präsidentenpalast. Die Botschaft war klar: Diese Regierung wird nicht unnötig das Geld des Steuerzahlers verschwenden. Punkt 10 Uhr 15 war es dann soweit. Präsident Lech Kaczynski vereidigte die Männer und Frauen – Polen hatte eine neue Regierung.

Veröffenlichung/ data publikacji: 17.11.2007

Keiner für die kurze Leine

Das erinnert an Locarno und an den Molotow-Ribbentrop-Pakt." Nach diesem markigen Satz wusste Europa, wo Radek Sikorski steht: national, konservativ, hart in der Sache, scharf in den Formulierungen. Vergangenes Jahr noch polnischer Verteidigungsminister unter Jaroslaw Kaczynski, verglich er die geplante Ostsee-Pipeline mit dem Nichtangriffspakt zwischen Nazi-Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion. Sikorski war damals das Aushängeschild im Kabinett und repräsentierte das krasse Gegenteil der provinziellen Kaczynski-Zwillinge.

Veröffenlichung/ data publikacji: 05.11.2007

Opfer deutschen Kriegsterrors verklagt Bundesrepublik

Die Haut des alten Mannes ist von Narben bedeckt. Er atmet schwer, nur mit Mühe kann er seine Finger bewegen. Die schweren Verletzungen haben Winicjusz Natoniewski vor über sechs Jahrzehnten deutsche Soldaten zugefügt. Dafür will er nun eine Entschädigung haben. Damals, am 2. Februar 1944, umstellten deutsche Polizeieinheiten das kleine Dorf Szczecyn in Ostpolen. Den Bewohnern wurde vorgeworfen, sie hätten Untergrundkämpfern geholfen. Dafür sollte nun ein Exempel statuiert und das Dorf dem Erdboden gleichgemacht werden.

Veröffenlichung/ data publikacji: 02.11.2007