Frank Herold
Polen setzt auf Atomstrom
Während in Deutschland weiter heftig über die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke gestritten wird, treibt Nachbar Polen seinen Einstieg in die Kernenergie konsequent voran. Die Warschauer Regierung entscheidet in Kürze über den Zeitplan für den Bau zweier Atomkraftwerke mit einer Kapazität von jeweils 300 Megawatt. Derzeit deckt Polen noch rund 90 Prozent seines Energiebedarfs durch Steinkohle und liegt deshalb weit außerhalb der EU-Auflagen für die CO2-Emissionen.
Die Stimme des Paters
Tadeusz Rydzyk, Gründer und Chef des radikal-katholischen Senders Radio Marjia, wettert gegen „linke Verschwörungen“.
Projekt: Gütiger Landesvater
Ein völlig verwandelter Jaroslaw Kaczynski will Präsident Polens werden
Im Namen des Vaters
Sie wollte nicht in die Öffentlichkeit. Und erstaunlicherweise hatten Polens Boulevardzeitungen den Willen von Marta Kaczynska in den vergangenen Jahren auch weitgehend respektiert. Aber dann kam jener schreckliche Tag von Smolensk Anfang April, an dem ihre Eltern Lech und Maria, das polnische Präsidentenpaar, gemeinsam mit 94 weiteren Menschen bei einem Flugzeugabsturz den Tod fanden. Eine Woche lang erschien die junge Frau danach in Schwarz auf den Titelseiten aller Zeitungen. Kniend, betend und weinend.
Polen vor der Entscheidung
Polen hat sich eine Woche lang der Trauer hingegeben. Jetzt muss das Land den Blick wieder auf seine Zukunft richten. Vom toten Lech Kaczynski wendet sich die Aufmerksamkeit auf dessen lebenden Zwillingsbruder Jaroslaw. Pietät weicht der Erwartung. Eifrig werden die Zeichen gelesen. Jaroslaw Kaczynski wirkte bei den Trauerfeiern sehr gefasst, kein einziges Gefühl ließ er nach außen. Nicht einmal seine verwaiste Nichte nahm er am Ende der beiden Gottesdienste am Wochenende tröstend in den Arm. Ein Händedruck musste reichen.
Der Fluch von Katyn
Katyn ist ein verfluchter Ort. Er steht für das historische Trauma Polens. Andrzej Wajda, der große Regisseur, hat Katyn seinen persönlichsten Film gewidmet. Gleich zu Beginn findet er darin ein eindringliches Bild für die Tragik der polnischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, begegnen sich auf einer Brücke zwei panisch flüchtende Ströme der polnischen Bevölkerung. Die einen versuchen, der deutschen Wehrmacht zu entkommen. Die anderen laufen vor der Roten Armee davon.
Ein Ex-Häftling fürs höchste Staatsamt
Effizienter kann man Geld für Parteipropaganda kaum ausgeben. Umgerechnet nur 120 000 Euro kostete die polnische Regierungspartei Bürgerplattform (PO) eine Kampagne, mit der sie sich einen Monat lang in den Schlagzeilen der Medien hielt, ohne viel tun zu müssen. Die Partei bestimmte lediglich ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen im Herbst erstmals in einer Vorwahl nach US-Vorbild. Seit Sonnabend steht Bronislaw Komorowski, 57, als Sieger fest - und damit quasi auch, dass er Polens künftiger Präsident wird.
Schnauzbart gegen Smartphone
Die politische Premiere in Polen ist vorüber, doch Beifall oder Unmutsbekundungen werden erst am Sonnabend laut. Dann wird offiziell verkündet, wer die nach US-Vorbild abgehaltenen Vorwahlen in der Regierungspartei, der Bürgerplattform PO, gewonnen hat: Bronislaw Komorowski oder Radoslaw Sikorski, der Parlamentspräsident oder der Außenminister. Der Sieger wird im Herbst als Präsidentschaftskandidat antreten und das Amt wohl auch problemlos erringen.
Vertreibungsstiftung braucht Neuanfang nach langem Streit
Zielgerichtet soll es nun vorangehen in der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung", sagte gestern Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Auch die SPD-Politikerin Angelica Schwall-Düren sieht nach den monatelangen Querelen "endlich eine Chance, die Stiftung auf ein gutes Gleis zu bringen". Es gebe "den gemeinsamen Willen anzupacken, Transparenz herzustellen und die Kompetenz zu erweitern", sagte Schwall-Düren der Berliner Zeitung nach einer Sitzung des Stiftungsrates.
Weiter Streit um Gedenken an Vertreibung
Der Streit um die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" geht auch nach dem Rückzug von Erika Steinbach, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), mit unverminderter Schärfe weiter. Die Situation der Institution, die nach dem Willen von Bundestag und Bundesregierung ein Zeichen des Gedenkens an die Vertreibungsverbrechen sein soll, hält Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse für alarmierend. "Wir brauchen einen Neuanfang in der Arbeit der Stiftung, der sichert, dass es um die historische Wahrheit und um Versöhnung geht", sagte Thierse der Berliner Zeitung.
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