Das ist eine polnische Lücke

Ein Gespräch mit Professor Andrzej Żbikowski über das Buch „Złote żniwa” (Goldene Beute) von Jan T. Gross, über weiße Flecken in der Besatzungsgeschichte der Polen und Juden und aber auch über Heldentaten und Verbrechen während des Holocausts.

Wiesław Władyka: Das für März angekündigte Buch "Złote żniwa” [„Goldene Beute” wortwörtlich: Ernte, Ertrag, Anm. d. Red.] von Jan Tomasz Gross ist – so wie seine beiden vorangegangenen Bücher „Angst” und „Nachbarn” – schon jetzt eine Sensation. Es ist Grund für einen hitzigen Austausch von Argumenten, zuweilen auch für gegenseitige Beschimpfungen, wenn es um die polnisch-jüdischen Beziehungen während der deutschen Besatzung geht. Herr Professor Żbikowski, Sie kennen das Buch als Manuskript. Enthält es neue, der Wissenschaft unbekannte Erkenntnisse?

Andrzej Żbikowski: Nein, im Übrigen hat Jan Gross betont, dass er sich auf die Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler bezieht.

Haben Sie begründete Vorbehalte gegen das Buch und Gross’ Ausführungen?

Vielleicht keine Vorbehalte, eher eine grundsätzliche Anmerkung angesichts der Platzierung der hier erzählten Geschichte im heutigen moralischen Kontext. Natürlich hat der Autor das Recht dazu, mehr noch: So spricht er den Leser gewiss emotional an, zwingt ihn zum Nachdenken – aber ein Historiker darf so etwas nicht. Ein Historiker sollte die Vergangenheit in ihrem historischen Kontext rekonstruieren.

Das Gespräch "To jest polska luka' erschien im Original in der Polityka Nr. 4 vom 19.01.2011. Übersetzung: Silke Lent | Redaktion: Paul-Richard Gromnitza

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© Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit - für die deutsche Übersetzung

Vollständiger Text/ cały tekst: http://www.portalpoint.info/de,rubryki,10,2662.html
Veröffentlichung/ data publikacji: 21.01.2011