Ohne ihn wären wir in Nasalen verloren

Die Vorwände dafür, unsere östlichen Nachbarn nicht näher kennenzulernen, werden immer fadenscheiniger. Der Herrschaftsbereich der Visaprozeduren und Grenzkontrollen in Europa ist nach 1989 geschrumpft (hoffentlich für immer, und hoffentlich schrumpft er weiter). Die Autodiebe und Wegelagerer sind auf dem Rückzug, die Bahnreisen sind kürzer, das Streckennetz dichter geworden. Was bleibt? Die vermeintliche Sprachbarriere, der virtuelle Stacheldrahtverhau aus Zischlauten, Nasalen und Palatalen. Doch ihretwegen hat Gott die Übersetzer geschaffen.
Einen von ihnen gilt es jetzt zu feiern: Karl Dedecius, der heute in Frankfurt am Main sein 90. Lebensjahr vollendet. Sein Wirken, dies vorweg, war besonders nachhaltig, weil er mehr als "nur" Übersetzer war. Er ist nach und nach zum Literaturorganisator geworden: Ihm verdanken wir die Gründung des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt im Jahre 1980, dessen Direktor er bis 1999 war.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 20.05.2011