Unter dem Patronat von Papusza

Verse einer Roma-Künstlerin, der ein ganzes Zigeunerfestival gewidmet wurde. "Wald,mein Vater, schwarzer Vater!/ Du hast mich erzogen, du hast mich verworfen./ Deine Blätter zittern, ich zittre mit ihnen,/ du singst, und ich singe, du lachst, und ich lache." Vom Wald, vom Wasser und von den Wanderungen in ihrer Jugendzeit berichten die Verse der Bronislawa Wajs. Einer Zigeunerkünstlerin, die - ganz gegen die ungeschriebenen Gesetze ihres Volkes - Poesie nicht nur erdachte, sondern auch niederschrieb und damit der Nachwelt das Zeugnis einer verflossenen Welt erhielt.
Die Gedichte der von ihrem Stamm liebevoll "Papusza" (die Puppe) genannten Frau sind jetzt auf Polnisch und Deutsch erschienen. Als erste Ausgabe einer neuen Reihe mit dem Titel "Poesievolle Nachbarschaft", die von der Frankfurter Übersetzerin Karin Wolff und dem Kleist-Museum herausgegeben wird und jährlich fortgesetzt werden soll.
Das Büchlein mit dem Titel "Papuszas gesprochene Lieder" (die Verse entstanden zusammen mit Melodien, die leider verloren gingen) kommt kurz vor der diesjährigen Ausgabe eines Zigeunerfestivals heraus, das seit 1989 im westpolnischen Gorzów stattfindet. Es wurde von Edward Debic­ki, dem Neffen der 1987 verstorbenen Papusza, begründet und steht unter ihrem Patronat.
An diesem Wochenende werden wieder sechs Roma-Ensembles aus Polen, Rumänien, Russland, Deutschland und Indien die Freilichtbühne im Siemiradzki-Park in ein Zigeunerlager verwandeln. Gastgeber ist wie immer das von Debicki gegründete Ensemble Terno, in dem mittlerweile Musiker und Tänzer aus vier Generationen mitwirken.
Im Gegensatz zu vielen kommerzialisierten Festivals mit Zigeunermusik steht in Gorzów die Pflege der authentischen Folklore des einst fahrenden Volkes im Vordergrund. Deshalb gibt es am Sonnabend auch eine polnisch-deutsche Tanzwerkstatt und eine Konferenz von Ziganologen. Noch ein Tipp: Wer zum Konzert am Sonnabend fährt, sollte einen Schirm mitnehmen. Denn laut einer Legende, die sich fast immer bewahrheitet, schickt die Patronin am ersten Abend einen Regenguss über die Zuschauer.
Konzerte in Gorzów: Sa/So, 20 Uhr, ulica Drzymaly (Eintritt 35 Zloty, 9 Euro)
Den Gedichtband gibt es im Kleist-Museum und in Frankfurter Buchhandlungen, 5 Euro.

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 04.08.2011