Auf Straßen, die es nur in Träumen gibt

Wer war früher, wo wir jetzt sind? Mit dem Festival "Singers Warschau" entdeckt Polen sein jüdisches Erbe.
Die Sonne geht unter über Warschau. Irgendwo in der Ferne braust der Straßenverkehr. Aber hier, wo sich eine kleine Menschenmenge versammelt hat, herrscht andächtiges Schweigen. Der einstige jüdische Friedhof im Stadtteil Brodno wirkt ungepflegt, wie ein natürliches Stück Wald in der Großstadt; die Birken haben ihn sich zurückerobert. Zwischen den Bäumen hin und wieder Grabsteine. Mal einzeln stehend, mal von unsichtbarer Hand zu Dutzenden zusammengeschoben, wie große Dominosteine.
"Auf den Spuren des Szmul Zbytkower" lautet das Thema der abendlichen Exkursion. Zbytkower war Ende des 18. Jahrhunderts ein großer Unternehmer in diesem Stadtteil und Lieferant des letzten polnischen Königs. Man würde annehmen, dass zu einer Stadtführung mit diesem entlegenen Thema zehn, fünfzehn Interessierte erscheinen. Es kommt anders: Eine Karawane von 120 Menschen wälzt sich die Straße entlang, folgt der jungen Führerin, steigt geschlossen in die Straßenbahn, um zur nächsten Etappe zu gelangen.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 31.08.2012