Ist das Ende des EuroCitys "Wawel" Hamburg - Berlin - Breslau in Sicht?

Foto: EuroCity Wawel in Kohlfurt, 2012. Fotograf: Wikipedia-Author 19Jakub96. Lizenz: CC-by-SA

Wird zum Fahrplanwechsel am 14/15. Dezember 2013 die EuroCity-Verbindung "Wawel" zwischen Hamburg, Lüneburg, Stendal, Berlin, Cottbus, Liegnitz (Legnica) und Breslau (Wroclaw) heimlich still und leise eingestellt? In der deutschen Fahrplanauskunft ist sie gänzlich nicht mehr aufgeführt und Fahrscheine für den Wawel sind auch nicht mehr buchbar, im polnischen System sind die Züge hingegen noch zu finden, allerdings nur noch zwischen Berlin und Breslau. Verwundern würde es nicht, da der Wawel in den letzten Jahren zum Symbol der Rückständigkeit deutsch-polnischer Bahnverbindungen geworden ist. Bereits 2010 wurde in einem Regionalforum in Berlin über die Zukunft des Wawels diskutiert. Von polnischer Seite wurde damals die Streckenführung über die Ausbaustrecke Liegnitz - Kohlfurt - Horka favorisiert. Nur dann hätte die Bahnverbindung Cottbus - Horka - Görlitz elektrifiziert und ein leistungsfähiger Kreuzungspunkt in Horka gebaut werden müssen. Auch die Alternativroute, die die Züge vor dem Krieg zwischen Berlin und Breslau über Grünberg und Frankfurt/Oder befuhren, wurde vorgeschlagen: Zumindest hätte man hierbei den Lokwechsel sparen können. Doch die DB blickte der Einstellung der defizitären Verbindung recht gleichgültig ins Auge, hatte man als Besucher des Regionalforums damals schon den Eindruck (BahnInfo berichtete).

Schon seit einem Jahr setzt die DB zwischen Berlin und Breslau Busse im Parallelverkehr ein, die trotz der zumindest in Richtung Breslau auf polnischen Seiten großteils recht maroden Autobahn aus Vorkriegszeiten die Strecke in vier Stunden 20 ohne Zwischenhalt bewältigen (der EuroCity brauchte zuletzt fünf Stunden, vor dem Krieg waren es einmal zweieinhalb Stunden). Dass der EuroCity bei den Fahrgästen so unbeliebt ist, liegt sicher nicht daran, dass es zwischen Berlin und Breslau zu wenig Bedarf gibt: Breslau boomt vor allem in den neuen Branchen und gilt als Medien- und Startupmetropole Polens. Der Fahrpreis war (zumindest für deutsche Verhältnisse) auch meist akzeptabel. Auch der Verkehr auf der Autobahn lässt darauf schließen, dass es viele Menschen gibt, die zwischen Schlesien und Berlin pendeln, doch Auto und Bus sind wesentlich attraktiver als der Wawel (mit dem Auto benötigt man etwas mehr als drei Stunden zwischen Berlin und Breslau).

Zuletzt gab es außerdem zwei Lokwechsel auf der Strecke, die zwischen Forst und Kohlfurt nicht elektrifiziert ist. Außerdem ist die direkte Strecke zwischen Sorau und Liegnitz, die bis vor einigen Jahren befahren wurde, so marode, dass hier auch der Wawel seit 2011 den zeitraubenden Umweg über Kohlfurt nehmen muss. Zusätzlich zu den Lokwechselzeiten also insgesamt keine konkurrenzfähige Fernverkehrsverbindung.

Bereits mit der Verkürzung der Strecke um den Abschnitt Breslau - Krakau und der Einführung eines Bus-Parallelverkehrs ist klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Wawel eingestellt wird. Nicht nur für den internationalen Verkehr zwischen Polen und Berlin wäre das ein großes Armutszeugnis, auch die Pendler zwischen Hamburg, Lüneburg, Uelzen nach Stendal und Berlin wären vom Wegfall der einzigen noch bestehenden Fernzugverbindung betroffen. Erster Protest erhoben bislang nur die Bürgermeister von Lüneburg und Uelzen, wie die Pressestelle der Stadt Lüneburg am 30. Oktober mitteilte. Im Raum Brandenburg und in Polen wurde die mögliche Einstellung des Betriebs hingegen kaum zur Kenntnis genommen.

Nach einer etwaigen Einstellung des Wawels blieben im Fernverkehr zwischen Polen und Berlin nur die EuroCitys nach Warschau und der (zumindest der Auslastung und der langen Fahrzeit nach zu urteilen) auch einstellungsgefährte EuroCity nach Danzig und Gdingen. Der EuroCity zwischen Stettin und Berlin ist schon vor einem Jahr eingestellt worden (wobei hier sicherlich hauptsächlich aufgrund Fahrgastmangels infolge tariflicher Hürden, BahnInfo berichtete). Zwischen Stettin und Berlin/Pasewalk verkehren nur im Schneckentempo Regionalbahnen, wie nun ab Dezember dann wohl auch (nur noch) zwischen Forst und Sorau. Einen Überblick über die (noch) bestehenden Bahn- und Busverbindungen zwischen beiden Ländern finden Sie übrigens bei BahnInfo regional.

Bleibt abzuwarten, ob am 15. Dezember um 9:41 Uhr sich der Wawel am Berliner Hauptbahnhof noch auf den Weg in Richtung Breslau in Bewegung setzt.

Foto: EuroCity Wawel in Kohlfurt, 2012. Fotograf: Wikipedia-Author 19Jakub96. Lizenz: CC-by-SA

Vollständiger Text/ cały tekst: http://www.bahninfo.de/artikel/10523/ist-das-ende-des-euroci...
Veröffentlichung/ data publikacji: 13.11.2013