Hans Stettiner und Jan Szczeciński. Das alltägliche Leben in Stettin des 20. Jahrhunderts

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Muzeum Narodowe w Szczecinie, Oddział Muzeum Historii Szczecina, Ratusz Staromiejski / Nationalmuseum in Szczecin, Abteilung Museum der Stadtgeschichte, Altes Rathaus

Kuratorin: Dr. Bogdana Kozińska

Seit einigen Tagen im Museum der Stadtgeschichte – einer Abteilung des Nationalmuseums in Szczecin wurde eine neue ständige Ausstellung Hans Stettiner i Jan Szczeciński. Życie codzienne w Szczecinie w XX wieku. / Hans Stettiner und Jan Szczeciński. Das alltägliche Leben in Stettin des 20. Jahrhunderts geöffnet. Diese Ausstellung betrachten wir als eine Einladung zum Nachdenken an das unlängst vergangenen Jahre, die noch im Gedächtnis vieler Teilnehmer lebendig sind und an den älteren Zeitperioden, die nur dank undirekten Überlieferungen bekannt sind. Heute, da immer weniger Zeugen der groβen Wende in der Geschichte der Stadt am Leben sind und das 20. Jahrhundert zusammmen mit seinen tragischen Geschehnissen, besonders dem 2. Weltkrieg und seinem Folgen, Vergangenheit geworden ist, sehen wir anders das, was von dieser Zeit erhalten blieb – im Gemälden, Zeichnungen, Plakaten und Fotografien, in Zeitungen, Dokumenten und ehemals alltäglichen, heute schon seltenen Gegenständen, die Erinnerungen evozieren.

Die Geschichte der ersten 45 Jahre prägen ganze Generationen deutscher Einwohner Stettins, für die die symbolische Figur Hans Stettiner steht, die Nachkriegszeit und die 2. Jahrhunderthälfte dagegen die hierher verschlagenen Polen, die wie die Familie Jan Szczecinski sich in der grenznahen, ehemals deutschen Hafenstadt niederlieβen und ein neues Leben begannen. Familie und Wohnung, Schule und Arbeit, Besorgungen, Kultur und Erholung sind die grundsätzliche Probleme der alltäglichen Wirklichkeit, die Facetten des Lebens die in jeder Generation und in jeder Umstand sich wiederholen – alltägliche Erfahrung der Einwohner der Stadt in Vor- und Nachkriegszeit. Obwohl diese beiden Bürgerschaften sich in so vielen Stücken unterschieden, lebten sie in derselben städtebaulichen Kulisse: die Straβen waren dieselben, die meisten Bauten auch, dieselbe Stimmung herrschte am Kai und im Hafen, das Stadtbild mit seiner Architektur, seinen Grünanlagen und Parks strahlte dieselbe Atmosphäre aus.

Die Epoche der Stettiner ist aber von der Szczecinski-Epoche durch eine wichtige Zäsur separiert, durch Wendepunkt der drastisch seinen Schicksal zerteilte und unterscheitete. Das war ein Resultat der tragischen Kriegsereignissen, die unmittelbare Folge der politischen Nachwirkungen des Jahres 1945, die hier beispielloser, vollständiger Wechsel der Einwohner nach sich zog. Das vergangene Jahrhundert ist also eine Zeit zerrissener Geschichte. Sein Symbol sind Reisekoffer – ein Attribut der Umsiedlung, einer Erfahrung, die von der deutschen wie der polnischen Bevölkerung der Stadt gemacht wurde. Vielseitige und symbolhafte Inhalt besitzen auch anonyme Porträts, Bilder der Wohnungsinnern, Fotos und Aushänge, wichtige und einfache Dokumente, alltägliche Gegenstände und wertvolle Erzeunisse. Sie passen zum vielen Lebenslaufen und verschiedenen Episoden, die in Erinnerungen und Tagebücher verewigt wurden, zur Erzählungen die aus unvollen Informationsbasis geschafft wurden – weil das weitere Schicksal der Familie Stettiner ist uns unbekannt, bei den Szczecinskis fehlt dagegen die Vorgeschichte. Diesen zerteilten Bürgerschaften haben Fakte, Ereignisse und Wenden des Stadtleben mitgeschafft, eine Wirklichkeit, die dank der Gedächtnis der nächsten Generationen immer neue Blätter der Stadtgeschichte schreibt.

Die Ausstellung ist vom 29.05.2009 als ständige Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte, Abteilung des Nationalmuseums in Szczecin, ul. Msciwoja 8 geöffnet.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10.00 – 18.00, Samstag und Sonnabend 10.00 – 16.00. Weitere Informationen finden Sie im Begleitbuch zur Ausstellung.

Dariusz Kacprzak Dr. Bogdana Kozińska
Stellv. Direktor Kuratorin der Ausstellung
für wissenschaftliche Arbeit, i.V.

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Abbildungen:

1.Reisekoffer (Foto. G. Solecki)
2.Esszimmer im Mietshaus Pölitzerstr. ( ul. Wyzwolenia) 106, 1925, (Foto aus den Beständen des Muzeum Narodowe w Szczecinie)
3.Salon einer Villa von Helena Kurcyusz in der ul. S. Wyspiańskiego (Niebuhstr.), 80er Jahre des 20. Jh (Foto aus den Beständen des Muzeum Narodowe w Szczecinie)
4.Schulzuegnisse in den deutschen und den polnischen Schulen unterschieden sich kaum voneinander, aus den Beständen des Muzeum Narodowe w Szczecinie (Foto. G. Solecki)
5.Vor dem Kriege wurde Milch in Halbliterflachen verkauft, nach dem Kriege waren Einliterflaschen am populärsten, aus den Beständen des Muzeum Narodowe w Szczecinie (Foto. G. Solecki)

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 07.07.2009