Gewonnenes Land - Verlorenes Land / Ziemie odzyskane - Ziemie utracone - polnische Filmwoche im Kino "Die Kurbel" Berlin

Filme von Michael Majerski, Kazimierz Kutz, Jerzy Hoffman/Edward Skórzewski, Krzysztof Zanussi und aus der Dokumentarfilmwerkstatt von Kornel Miglus im Kino "Die Kurbel" (Berlin- Charlottenburg, Giesebrechtstr. 4)
jeweils 18 Uhr, Eintritt 6 € (5€)

Veranstalter: Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin e.V, Polnisches Institut Berlin, Filmtheater "die Kurbel"

02.09.2010, 18:00
Streuselkuchen von zu Hause - Begegnungen in Oberschlesien / Kołocz na droga - spotkania na Górnym Sląsku
PL/D 2010, 80 Min., OmdU
R/B/K: Michael Majerski

Der Film versucht herauszufinden, wie weit sich Oberschlesier trotz Germanisierung, Ausreisewellen, Polonisierung heute weiter als Oberschlesier bzw. als Polen oder Deutsche fühlen. Schlesische Zeitzeugen erzählen über ihre lange Zeit verschwiegene persönliche Geschichten und wir erfahren Einiges über verzweifelte Versuche der Oberschlesier ihre eigene Identität, Kultur und Sprache wieder zu finden und zu retten.

Michael Majerski (* 1948 in Altheide/Polanica, Polen) wird in Polen als Sohn eines polnischen Vaters und einer schlesisch-deutschstämmigen Mutter geboren. Er studiert an der Filmhochschule in Łódź und lernt anschließend u.a. bei Krzysztof Kieślowski und Andrej Tarkowski. Bis 1978 arbeitet er beim polnischen Fernsehen, später emigriert er mit seiner Frau und seinen Kindern nach Berlin, Deutschland. Ab 1994 beginnt Majerski erneut beim polnischen Fernsehen zu arbeiten, diesmal als Journalist und Kommentator. 1995 gründet er seine eigene Produktionsfirma "Arkonafilm".
Filmographie: 1976 - "Elegie" (Spielfilm), 1978 - "Die Kurve" (Fernsehspiel), 1982 -"Ostwind" (Kurzfilm), 1983 - "Made in Germany" (Kurzfilm), 1983 - "Homecoming" (Kurzfilm), 1984 - "Die Musikstunde" (Kurzfilm), 1989 - "Una notte-Spezial" (Kurzfilm), 2003 - "Begegnung an polnischen Flüssen" (Dokumentarfilm), 2003 - "Die Perlenfischer" (Dokumentarfilm), 2004 - "Cusanus - de Ludo Globi" (Videoinstallation), 2005 - "Meiner Mutter Land" (Dokumentarfilm), 2005 - "Lorelei" (Videoprojekt), 2008 - "Meines Vaters Haus" (Dokumentarfilm), 2010 - "Oberschlesien - kołocz na droga" (Dokumentarfilm).

03.09. 2010, 18:00
Nikt nie woła / Niemand ruft
PL 1960, 86 min., OmU
Regie: Kazimierz Kutz, Buch: Józef Hen, Kamera: Jerzy Wójcik, Musik: Wojciech Kilar, Darsteller: Zofia Marcinkowska, Henryk Boukołowski, Barbara Krafftówna, Halina Mikołajska, Aleksander Fogiel, u.a.

Boek, ein ehemaliger Untergrundskämpfer der AK (Heimatarmee) versucht nach dem Kriegsende seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er flieht in eine Kleinstadt in den "wiedergewonnenen" Gebieten Polens, wo er nach einem neuen Anfang sucht. Eines Tages lernt er jedoch Lucyna, eine Frau, die ihm aufgrund ihrer Reife imponiert, kennen und verliebt sich in sie. Als er merkt, dass man ihm auf der Spur ist, wird er vor eine wichtige Entscheidung gestellt: Will er seine Freiheit oder seine Liebe aufs Spiel setzen?
"Niemand ruft" ist eine Darstellung der Zeit, in der der Mensch nicht wusste, wie er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen soll. Diese Sprachlosigkeit schafft im Film eine tiefe emotionale Spannung. Mit "Niemand ruft" bricht Kazimierz Kutz zugleich mit dem klassischen Erzählstil der polnischen Filmschule und kreiert eine neue existenzialistische und minimalistische Ästhetik mit einer atemberaubenden Kraft der Bilder.

04.09. 2010, 18:00
Meines Vaters Haus /Dom mojego ojca
PL/D 2008, 90 Min., OmdU
R/B: Michael Majerski

Die letzten überlebenden polnischen und deutschen Zeitzeugen, die unmittelbar nach dem Krieg einen direkten Kontakt mit dem einstigen Feind hatten, brechen ihr langjähriges Schweigen. Sie erzählen ihre bisher verschwiegenen Geschichten, wie etwa über die Übernahme der deutschen Häuser und Höfe 1945 in den wiedergewonnenen Gebieten in Westpolen, wobei das Einmalige an diesem Projekt ist, dass die Aussagen der einstigen Gegner direkt gegenübergestellt werden und somit ein kontrastreiches Bild an Eindrücken entsteht.

05.09. 2010, 18:00
Prawo i pięść / Das Recht und die Faust
PL 1964, 92 min., OF dt. eingesprochen
Regie: Jerzy Hoffman / Edward Skórzewski, Buch: Józef Hen, Kamera: Jerzy Lipman, Musik: Krzysztof Komeda, Darsteller: Gustaw Holoubek, Wiesław Gołas, Ryszard Pietruski, Jerzy Przybylski, Zdzisław Maklakiewicz, Zofia Mrozowska, Ewa Wiśniewska, u.a.

"Das Recht und die Faust" ist trotz des ernsten Themas eine charmante Melange zwischen Western und Gangsterfilm. Andrzej Kenig, ein Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau, versucht nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit zu finden. Er wendet sich an die neue Regierung und erhält eine Stelle in dem Ort Siwowo (ehemals: Graustadt) in den "wiedergewonnenen" Gebieten Polens. Dort soll er einem Arzt dabei helfen, das verbliebene medizinische Gut des beinahe komplett verlassenen Städtchens zu sichern. Als er jedoch merkt, dass seine Mitarbeiter, die sich als staatstreu ausgeben, versuchen, das Krankenhaus zu plündern, beschließt er die nationalen Güter auf eigene Faust zu beschützen, koste es, was es wolle.

06.09.2010, 18:00
Meiner Mutter Land/ Kraj mojej matki
PL/D 2005, 70 Min., OmdU
R/B/K: Michael Majerski

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Viele Gebiete des ehemaligen Dritten Reichs fallen an Polen, deren Bewohner verlassen Haus und Hof, um in das neue Deutschland zu fliehen. Manche jedoch bleiben und versuchen sich in der alten-neuen Heimat zurechtzufinden. Sie müssen sich nun nicht nur an die neue Landessprache, sondern auch an ihre neuen Nachbarn gewöhnen und einen Weg finden, sich zu arrangieren. Majerski setzt dabei seinen dokumentarischen Schwerpunkt auf die wenigen verbliebenen Frauen, die zum ersten Mal ihre Geschichten über die Wende in ihrem Leben und Umfeld nach dem Zweiten Weltkrieg erzählen, und spricht somit gleichzeitig ein Thema an, das bis heute die deutsch-polnischen Beziehungen zu trüben scheint.

07.09.2010, 18:00
Rok spokojnego słonca / Ein Jahr der ruhenden Sonne
PL/USA/D 1984, 105 min., OmeU
Regie: Krzysztof Zanussi, Buch: Krzysztof Zanussi, Edward Zebrowski, Kamera: Slawomir Idziak, Musik: Wojciech Kilar, Darsteller: Maja Komorowska, Scott Wilson, Wadim Glowna, Zbigniew Zapasiewicz u.a.

Der Film führt zurück in das Jahr 1946, in die wiedereroberten Gebiete im Westen Polens. Dort treffen sich in einer ausgebombten kriegszerstörten Stadt eine polnische Malerin, die mit ihrer Mutter aus Ostpolen im Zuge der Vertreibung dorthin verschlagen wurde, und ein amerikanischer Soldat, der sich zur Aufklärung von Kriegsverbrechen in einem Sonderlager für Kriegsgefangene aufhält. Zwischen der Polin und dem sensiblen Amerikaner entsteht eine Liebesbeziehung. Er möchte sie mit nach Amerika nehmen, aber sie hängt an ihrem, vom Krieg hart geschlagenen Land. Sie hängt an ihrer Mutter und kann sich nicht trennen. (Quelle: Ziegler-Film)
Krzysztof Zanussi wurde für diesen Film 1984 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

08.09.2010, 18:00
Spojrzenie przez rzekę / Ein Blick über den Fluss
D/PL, 2006, OmdU
Deutsch-Polnische Dokumentarfilmwerkstatt, Leitung: Kornel Miglus

Auf beiden Seiten der Oder, entlang der deutsch-polnischen Grenze, liegen mehrere Ortschaften. Die Familien von dem linken und die von dem rechten Ufer leben dort, wo sie wohnen, nur bedingt zu Hause. Viele der deutschen Einwohner haben bis 1945 auf der anderen Seite gelebt, dann wurden sie über den Fluss vertrieben. Seitdem blicken sie auf ihre Heimat über die Oder hinweg. Auch die Menschen von der polnischen Seite haben ihre Heimat woanders. Sie kommen aus der Westukraine und sind ebenfalls Opfer des Krieges und der Teilung von Europa. Was die Menschen auf beiden Seiten des Flusses verbindet, ist der Verlust ihrer Heimat. Während einer zweiwöchigen Videowerkstatt haben Jugendlichen aus Polen und Deutschland mit der Videokamera die Geschichte des anderen Ufers, die Geschichte der Nachbarn und ihre eigenen Familien filmisch erzählt. Die Enkelkinder die keine Verbindung mehr zu dem mythischen "dort" und "damals" haben, versuchen in ihren Filmen, den Verlust der Heimat zu thematisieren, die letzten Zeitzeugen zu befragen und die Spuren des Schmerzens zu sichern. Das Bild der Erinnerung verblasst, und mit ihr, auch das der alten Heimat. Nur der Fluss fließt immer noch nordwärts.

Event: 02.09.2010 - 00:00 - 08.09.2010 - 23:59
Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 22.08.2010