Jüdische Allgemeine

Offen zur Stadt hin

Die winzige jüdische Gemeinde in der polnischen Ostseestadt Danzig hat große Pläne: Die Neue Synagoge im Stadtteil Langfuhr (Wrzeszcz) soll sich zu einem Kulturzentrum wandeln. Auf dem Tisch im niedrigen Anbau der Synagoge liegen bunte Computerbilder und historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. »Wenn alles klappt, was wir uns vorgenommen haben, werden uns die Leute die Türen einrennen«, hofft Michal Samet (51). Der umtriebige Gemeindevorsitzende spielt nicht nur Squash im jüdischen Sportverein Maccabi, sondern ist auch ein leidenschaftlicher Koch.

Veröffenlichung/ data publikacji: 29.11.2012

Symbolische Heimkehr

Der israelische Schriftsteller Etgar Keret fühlte sich geehrt, als ihm der polnische Architekt Jakub Szczesny anbot, ein Kunstobjekt in Warschau nach ihm zu benennen. Nach einigem Zögern nahm er an. Das »Etgar-Keret-Haus« steht nun mitten im ehemaligen Ghetto von Warschau. Es ist ein drei Stockwerke hohes Kunstwerk aus Aluminium und Plexiglas und vereint auf einer Wohnfläche von gerade mal 14 Quadratmetern sämtliche Funktionen, die ein »Haus« normalerweise haben sollte.

Veröffenlichung/ data publikacji: 08.11.2012

Entweiht und bemalt

»Mir ist schlecht geworden, als mich dieser Wehrmachtssoldat in seiner Uniform anstarrte. Von der Rückseite einer Torarolle!«, stöhnt Tadeusz Jakubowicz. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Krakau fährt sich mit der Hand über die Augen. »Ich kann das nicht mehr sehen! Müssen wir uns das immer wieder antun und uns so das Leben vergiften?« Dann deutet er auf die Vitrine im Jüdischen Museum Galicja.

Veröffenlichung/ data publikacji: 12.10.2012

Auf Korczaks Spuren

Ich liebe die Weichsel bei Warschau, und ich habe brennendes Heimweh nach Warschau, wenn ich fern von ihm bin«, notiert Janusz Korczak im Mai 1942 in sein Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto 1942. Es ist Nacht und Polen schon seit drei Jahren von den Deutschen besetzt. Henryk Goldszmit, wie der »alte Doktor« eigentlich heißt, lauscht auf den Atem von rund 200 jüdischen Waisenkindern. Mitte der 30er-Jahre wollte der berühmte Kinderarzt und Pädagoge Polen verlassen, fuhr zwei Mal nach Palästina, arbeitete in einem Kibbuz – und kam zurück.

Veröffenlichung/ data publikacji: 02.08.2012

Aufbruch an der Weichsel

»Für Juden in Deutschland, Österreich und Griechenland dürfte Warschau demnächst wichtiger werden«, ist Pawel Spiewak überzeugt, der neue Direktor des Jüdischen Historischen Instituts in Polens Hauptstadt. »In einer der nächsten Ausstellungen wollen wir die Bestände aus der Preußischen Staatsbibliothek zeigen.« Im Krieg wurden rund 300.000 Bücher, Inkunabeln und handschriftliche Manuskripte von Goethe, Schiller und Mozart nach Niederschlesien ausgelagert.

Veröffenlichung/ data publikacji: 24.05.2012

Arno Lustiger verstorben

Arno Lustiger ist tot. Der Historiker und Publizist verstarb gestern im Alter von 88 Jahren. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, würdigte Lustiger als »beeindruckende Persönlichkeit, die sich trotz oder gerade wegen ihrer Leidensgeschichte im Holocaust für das friedliche und tolerante Miteinander eingesetzt hat«. Seine Forschungen zu Themen des jüdischen Widerstands oder der Helfer jüdischer Verfolgter bleiben einzigartig und »ein Geschenk an alle Menschen heute und in der Zukunft«.

Veröffenlichung/ data publikacji: 16.05.2012

Guter Ort im Grenzgebiet

Ein neues Buch dokumentiert die Geschichte eines deutsch-jüdischen Friedhofs jenseits der Oder.

Veröffenlichung/ data publikacji: 03.05.2012

Erinnerungsschlacht. Wie in Warschau mit Denkmälern Geschichtspolitik gemacht wird

In Polen ist der Zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende. Zunächst unmerklich eroberte in den vergangenen 20 Jahren Polens Untergrundarmee aus den Jahren 1942–1945, die Heimatarmee (AK), verloren gegangenes Terrain zurück. Überall in Warschau entstanden ihr zu Ehren Denkmäler, wurden Straßen und Plätze umbenannt, an Häusern Gedenktafeln angebracht.

Veröffenlichung/ data publikacji: 08.03.2012

Ungleich vor dem Gesetz

Die Regierung in Warschau will die Rückgabe von Eigentum an die jüdische Gemeinde stoppen.
»Die Regierung in Warschau will Juden, Protestanten und russisch-orthodoxe Christen dafür bestrafen, dass die Katholiken sich der Korruption schuldig gemacht haben«, empört sich Piotr Kadlcik, der Vorsitzende des Jüdischen Gemeindebundes in Polen. »Für uns wäre das eine Katastrophe. Die jüdische Kommission hat noch nicht einmal die Hälfte aller Anträge abgearbeitet!«

Veröffenlichung/ data publikacji: 24.02.2012

Spenden für Auschwitz

Eine Stiftung soll künftig für die Restaurierung der ehemaligen KZ-Anlagen aufkommen. Auschwitz-Statistiken wirken immer anstößig, egal ob es sich um Opferzahlen, neue Besucherrekorde oder die Berechnung der aktuellen Restaurierungskosten handelt. Noch seltsamer aber wirkt es, wenn Zahlen fehlen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 26.01.2012