Frankfurter Rundschau

Schaulaufen der Schuldner

Nach dem G20-Treffen geht das Schaulaufen weiter, bei dem jede Regierung sich und ihre Gesellschaft als Kapitalanlage präsentiert und um Geld und Vertrauen der Anleger wirbt. Da Sparen allein das Schuldenproblem nicht löst, stärken alle Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit, um Wachstum zu generieren: Es wird privatisiert, der Staat verschlankt sich wieder, Steuern werden trotz Kassenknappheit nicht erhöht und Arbeitsmärkte flexibilisiert.

Veröffenlichung/ data publikacji: 28.06.2010

Linke bei Stichwahl Zünglein an der Waage

Die Präsidentenwahl in Polen wird am 4. Juli in einer Stichwahl zwischen dem amtierenden Parlamentspräsidenten Bronislaw Komorowski und seinem national-konservativen Konkurrenten Jaroslaw Kaczynski entschieden. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Regierungskandidat Komorowski am Montagmorgen mit 41,22 Prozent in Führung. Auf Jaroslaw Kaczynski, den Zwillingsbruder des im April bei einem Flugzeugabsturz getöteten Präsidenten Lech Kaczynski, entfielen nach Angaben der Staatlichen Wahlkommission in Warschau 36,74 Prozent.

Veröffenlichung/ data publikacji: 21.06.2010

Das Wasser steigt weiter

Die Wasserstände auf der deutschen Oder sind in der Nacht weiter gestiegen. Der Pegel Ratzdorf an der Neißemündung kletterte bis Donnerstagfrüh auf 6,15 Meter. Das sind acht Zentimeter mehr als um Mitternacht, als dort 6,07 Meter gemessen wurden. In Frankfurt/Oder stand der Pegel zuletzt bei 5,30 Metern. Dort gilt seit 6.30 Uhr Alarmstufe 3.

Veröffenlichung/ data publikacji: 27.05.2010

Astronom Kopernikus erneut beigesetzt

Die Gebeine des weltberühmten polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus sind ein zweites Mal beigesetzt worden. Dazu wurde am Samstag in der Kathedrale der nordpolnischen Stadt Frombork (Frauenburg) eine Zeremonie veranstaltet, bei der Erzbischof Jozef Zycinski eine Ansprache hielt. Kopernikus begründete im 16. Jahrhundert das moderne, heliozentrische Weltbild. Zu Lebzeiten wurde der Astronom deshalb von der katholischen Kirche verfolgt, später aber gestand die Kirchenhierarchie ein, dass seine Vorstellung, die Erde kreise um die Sonne - und nicht umgekehrt - richtig sei.

Veröffenlichung/ data publikacji: 22.05.2010

Polnische Siegesparade in Moskau

Als ich ein Kind war und in meinem polnisch-masurischen Städtchen Bartoszyce zur Schule ging, konnte ich nie verstehen, warum der Zweite Weltkrieg im Westen am 8. Mai zu Ende gegangen war und im Herrschaftsgebiet des Warschauer Paktes erst am 9. Mai. Meine damalige kindliche Verwirrung scheint mir heute symbolisch zu sein, denn viele Polen begriffen in der äußerst schwierigen Nachkriegszeit die Befreiung ihrer Heimat durch die Rotarmisten als eine heimliche und erneute Besetzung: diesmal durch Stalins Schergen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 08.05.2010

Die mittlere Ebene

Am 25. Oktober 1944 bekam ein Mitarbeiter der Kölner Staatspolizeistelle, Otto Langenbach, die Aufgabe übertragen, vor der öffentlichen Erhängung von 13 "Fremdarbeitern" die Namen der Delinquenten sowie deren vermeintlichen Straftaten zu verlesen. Als er im Mai 1969 von der Staatsanwaltschaft gefragt wurde, ob ihm keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Exekution gekommen sei, antwortete Langenbach, dass er damals über diese Frage nicht "regelrecht nachgedacht" habe: "Ich habe nichts entdeckt, was auf mich den Eindruck machte, als wäre es rechtswidrig.

Veröffenlichung/ data publikacji: 07.05.2010

Polen sprechen von Vertuschung

Hatte der russische KGB seine Finger im Spiel? War es ein Anschlag von Terroristen? Hat ein Kurzschluss die Instrumente lahmgelegt? Keine Vermutung ist zu abstrus, keine Theorie zu verwirrend, jeder Pole scheint inzwischen seine eigene Erklärung für den Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April im russischen Smolensk zu haben. Während sich die Untersuchungen hinziehen, sprießen die Verschwörungstheorien.

Veröffenlichung/ data publikacji: 29.04.2010

Kosovo-Flüchtlinge: Endstation Lager

Nach dem Rückführungsabkommen, das beide Staaten jetzt unterzeichnet haben, muss die Republik Kosovo ihre Staatsbürger aus Deutschland zurücknehmen. Den großen Teil von ihnen machen geschätzte 10.000 Roma aus. Sie sollen nun zurück, pro Jahr bis zu 2500.
Roma im Kosovo sind eine verdrängte Minderheit. Vor dem Krieg machten sie mit 120.000 an die sieben Prozent der Kosovo-Bevölkerung aus. Die Mehrheit spricht Serbisch, ein etwas kleinerer Teil, Aschkali genannt, Albanisch.

Veröffenlichung/ data publikacji: 23.04.2010

Wenig Zeit zum Trauern

"Wir haben einen schrecklichen Schaden erlitten, doch wir dürfen uns nicht geschlagen geben." Jaroslaw Kaczynski scheint nach der Katastrophe von Smolensk, bei der er seinen Bruder Lech verloren hat, zum Kampf bereit. "Wir müssen ihr Werk fortsetzen", sagte der Parteichef der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen kurz nach dem Unglück. Das sei die Partei den Toten schuldig.

Veröffenlichung/ data publikacji: 22.04.2010

Wendepunkt am Wawel-Hügel

Polen befindet sich im Schockzustand. Es gibt kein Atemholen. Seit einer Woche werden fast jeden Tag mit großem Geleit Särge durch Warschau transportiert. Quälend langsam nur können die 96 Opfer des Absturzes von Smolensk identifiziert und in ihre Heimat überführt werden. Traueranzeigen füllen die Seiten der Zeitungen und die Nation wird täglich neu an die Katastrophe erinnert. Das Trauma wird tiefe Spuren in Polen hinterlassen. Wie verkraftet es ein Land, auf diese tragische Weise einen großen Teil der Elite zu verlieren?

Veröffenlichung/ data publikacji: 17.04.2010