Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Bedauern hat es nie gegeben

Es kam, wie es kommen musste: Das neue Buch von Jan Tomasz Gross, in dem es um den Antisemitismus unmittelbar nach dem Holocaust in Polen geht, löst allgemeine Empörung aus. Selbst in seriösen Zeitungen konnte man schon vor dem Erscheinen des Buches am vergangenen Freitag lesen, es enthalte viele falsche Darstellungen, es sei das Machwerk eines Soziologen, der sich als Historiker ausgebe, es sei gegen Polen insgesamt gerichtet. Und der polnisch-jüdischen Versöhnung werde es nicht dienen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 16.01.2008

Weiße Flecken, schwarze Flecken

Eines der beliebtesten Lieder der antikommunistischen Opposition in Polen war in den achtziger Jahren die „Ballade über das Weiß“. Darin beschreibt der Liedermacher Jacek Kaczmarski, der die musikalische Stimme der Gewerkschaft Solidarnosc war, die polnische Geschichte als Folge „weißer Flecken“. Über „weiße Flecken geht in Sibirien die Menge der Verbannten“, mit „weißem Kalk werden weiße Schädel zugeschüttet, weiß werden die Pakte unterschrieben, weiß brennt Warschau“.

Veröffenlichung/ data publikacji: 23.12.2007

Merkel: Erinnerung an Vertreibungen bleibt in Berlin

Bundeskanzlerin Merkel hat am Dienstag dem polnischen Ministerpräsidenten Tusk in Berlin versichert, sie betrachte sein Projekt eines in internationaler Kooperation zu errichtenden Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig als eine „interessante Idee“. Tusk war mit diesem Vorschlag am Montag an die Öffentlichkeit getreten. Seiner Meinung nach soll die Initiative unter anderem einen Ausweg aus dem deutsch-polnischen Streit über die Erinnerung an die Vertreibungen nach Kriegsende weisen, indem sie diesem Aspekt der Geschichte einen Platz im Gesamtgeschehen des Krieges zuweist.

Veröffenlichung/ data publikacji: 12.12.2007

Tusks Vorschlag für Erinnerung an Vertriebene

Der neue polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat auf die Bestrebungen, in Berlin ein „sichtbares Zeichen“ der Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa zu schaffen, mit dem Vorschlag geantwortet, in Danzig ein „Museum des Zweiten Weltkriegs“ zu bauen. In diesem Museum solle im historischen Kontext des Krieges auch an die Vertreibung der Deutschen erinnert werden, hatte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung vor seinem Besuch in Berlin an diesem Dienstag gesagt (

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.12.2007

„Die Geschichte ist wieder Ballast“

Der polnische Ministerpräsident Tusk warnt davor, die deutsch-polnischen Beziehungen aus dem „Schützengräben der Vergangenheit“ heraus zu betrachten. Im Gespräch mit dem F.A.Z.-Korrespondenten Konrad Schuller in seinem Amtssitz in Warschau erinnert sich Donald Tusk auch an seine Jugend in Danzig, kritisiert das lange Schweigen des Günter Grass über dessen Mitgliedschaft in der Waffen-SS und benennt Polens Erwartungen an Deutschland.

Veröffenlichung/ data publikacji: 10.12.2007

Tusk kritisiert Grass

Der polnische Ministerpräsident Tusk hat dem deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass vorgeworfen, er habe in der Zeit des Diktatur den Kampf der Gewerkschaft „Solidarnosc“ gegen den Kommunismus nicht ernstgenommen. Durch sein langes Schweigen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS habe er zudem seine Unterstützer in Polen zu „Opfern“ gemacht.

Veröffenlichung/ data publikacji: 10.12.2007

Das geistige Tagebuch der Deutschen

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin ist heute der größte Kulturkomplex in Europa, mit siebzehn Museen, der Staatsbibliothek, dem Preußischen Staatsarchiv und einer Reihe von Forschungsinstituten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 aber lagen die meisten Gebäude in Schutt und Asche, die Sammlungen waren teils vernichtet, verschleppt oder zerstreut. In einem geteilten Berlin begann der allmähliche Wiederaufbau.

Veröffenlichung/ data publikacji: 28.11.2007

Tusk verspricht ein Wirtschaftswunder

Polens Ministerpräsident Tusk hat am Freitag in seiner ersten Regierungserklärung versprochen, durch eine Mischung aus „liberaler Wirtschaftspolitik“ und „solidarischer Gesellschaftspolitik“ seinem Land die Chance auf „sein eigenes Wirtschaftswunder“ zu geben. Im außenpolitischen Teil seiner Rede sagte er, Polen werde einer der wichtigsten Verbündeten Amerikas in Europa bleiben. Zugleich müssten aber auch die Verbindungen zwischen Warschau, Paris und Berlin intensiver werden.

Veröffenlichung/ data publikacji: 25.11.2007

Korrupte Korruptionsjäger

Es hat ein bisschen gedauert, bis auch die polnischen Medien über Korruption im Tennis berichtet haben. Dabei fing alles in Polen an: mit dem Fall des Russen Nikolaj Dawidenko, der unter Verdacht steht, bei dem ATP-Turnier im August im Ostsee-Badeort Sopot als Wettbetrüger absichtlich ein Match verloren zu haben. Das passierte nur ein paar hundert Meter vom Haus des neuen Premierministers Donald Tusk entfernt - möglicherweise nur zufällig in Sopot: Allerdings herrscht im polnischen Sport ein Klima, in dem Korruption reichlich gedeiht.

Veröffenlichung/ data publikacji: 20.11.2007

Chance mit Tusk

Vor einem Jahr sagte der Politologe Klaus Bachmann in der Zeitschrift „Osteuropa“ voraus, dass die Brüder Kaczynski - ganz gegen ihre Absicht - einen Modernisierungsschub in Polen in Gang setzen würden: Ihr Angriff auf demokratische Institutionen und ihr Freund-Feind-Denken würden demokratische Gegenwehr erzeugen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 19.11.2007